2. Betroffene unterstützen, der Betroffenenperspektive Vorrang gewähren

2. Betroffene unterstützen, der Betroffenenperspektive Vorrang gewähren

17. März 2021 0

Betroffene Personen zweifeln mitunter die eigene erlebte Realität und empfundene Ungerechtigkeit an. Oftmals entstehen dann Fragen wie „Habe ich irgendwas falsch gemacht?“ oder „Habe ich das irgendwie ausgelöst?“. Auch diese Fragen bzw. die Ungewissheit fördern toxischen Stress. Betroffenen sollte klar kommuniziert werden, dass es sich bei der erlebten Diskriminierung um eine Handlung handelt, die illegitim ist und für die die Betroffene keinerlei Verantwortung trägt.

In Konfliktsituationen ist es, zumindest bei bestimmten Verfahren, üblich, alle Konfliktparteien zu hören und ggf. an einen Tisch zu bringen. Die gleichwertige Berücksichtigung aller Perspektiven im Zusammenhang mit Diskriminierung wird von der Betroffenen ggf. als Schulterschluss mit der diskriminierenden Person wahrgenommen, und das zu Recht.

Menschen, die andere Personen im Kontext gesellschaftlicher Ungleichheitsverhältnisse (z.B. Klassismus, Rassismus, Sexismus) diskriminieren, verlassen den demokratischen Konsens an der Stelle, an der die allgemeine Gleichwertigkeit von Menschen in Frage gestellt wird. Dementsprechend ist die Handlung illegitim, unabhängig davon, was ihr vorausgegangen ist. Die Beweggründe und Motivationen der diskriminierenden Person zu erfragen oder einen „Ausgleich“ zwischen der Betroffenen und der diskriminierenden Person herbeiführen zu wollen, kommt einer Legitimierung der diskriminierenden Handlung gleich. Stattdessen sollte die Betroffenenperspektive sowohl bei der Deutung als auch der Bearbeitung des Vorfalls Vorrang haben. Sollte die betroffene Person weitere Unterstützung benötigen unterstützt die bundesweit tätige Opferberatung.